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Häufig gestellte Fragen

Wissen

Seit wann heisst der Thurgau Thurgau?

Der Name Thurgau wird in Urkunden des 8. Jahrhunderts erstmals erwähnt: 744 als pagus Durgaugensis, 766 als Turgauia. Um 890 trifft man die Bezeichnung Grafschaft Thurgau (comitatus Turgouve), und um 1370 heisst das Gebiet zum ersten Mal Landgrafschaft Turgau. Der Name Turgau - das nicht ausgesprochene h setzte sich erst im 18. Jahrhundert durch - dürfte aber älter sein. Zudem reduzierte sich das Territorium, das diesen Namen trug, im Lauf der Zeit erheblich: In alemannischer Zeit bezeichnete der Name ein Gebiet, das im Norden von Bodensee und Rhein, im Westen von der Reuss und im Süden und Osten durch eine Linie begrenzt war, die ungefähr vom Gotthard über den Glärnisch bis zum Hörnli und von dort über den Säntis bis zum Bodensee verlief. Im 9. Jahrhundert bezeichnete der Begriff nur noch das Gebiet zwischen Winterthur, Toggenburg, Alpstein, Bodensee und Rhein, während die westlich von Winterthur gelegenen Gebiete jetzt dem Zürichgau zugerechnet wurden. Ab ca. 820 gelangte die später sogenannte Alte Landschaft zwischen Wil und Rorschach an die Fürstabtei St. Gallen. Zürich übernahm 1424 die Grafschaft Kyburg, 1434 die Herrschaft Andelfingen und 1464 Stammheim. Insgesamt muss man also von einer jahrhundertlang fortschreitenden  Begriffsverengung reden. Der Begriff zog sich, territorial gesehen, von Südwesten Richtung Nordosten zurück. Ab dem 15. Jahrhundert hielt er den Erfordernissen der Zeit dann ohne Einschränkung stand, so dass das Territorium der Landgrafschaft von 1460 im Jahr 1798 praktisch unverändert zum helvetischen Verwaltungsbezirk Canton Thurgau und 1803 schliesslich zum selbständigen Kanton Thurgau mutierte.

Seit wann und warum haben die Thurgauer lange Finger?

Die Herkunft des Neckbegriffs Langfinger für die Thurgauer ist unklar. Ein wenig überzeugender Erklärungsversuch geht dahin, dass er von den thurgauischen Reisläufern herstamme, die gerne geplündert hätten. Ein anderer, überzeugenderer, geht davon aus, dass die eidgenössischen Landvögte im Thurgau, die ihr Amt kaufen mussten, in ihren Herkunftskantonen als Thurgauer oder Langfinger bezeichnet wurden, weil sie ihre Vorinvestitionen hätten amortisieren, sprich den Thurgauer das Geld hätten aus der Tasche ziehen müssen. Nach der Revolution von 1798 sei der Begriff dann auf die Thurgauer selber übertragen worden. Ein dritter Erklärungsversuch besagt, die üble Nachrede leite sich vom Brand von Bischofszell im Jahr 1743 her. Die freundeidgenössische Hilfe sei gross gewesen, habe aber ein ausserordentliches Nachspiel gehabt: Beim Verteilen des gesammelten Geldes hätten nämlich über 3000 Gulden gefehlt; die darauf folgenden wiederholten Gerichtsverfahren hätte die Thurgauer den bislang guten Ruf gekostet. Zwar habe man den Fehlbetrag 62 Jahre später wohlverwahrt aufgefunden, doch sei die Unbescholtenheit dahin gewesen – und dahin geblieben.

Wann fand im Thurgau die letzte Hinrichtung statt?

Die letzte Hinrichtung im Kanton Thurgau wurde am 29. November 1854 in Frauenfeld durch das Schwert vollzogen. Scharfrichter Bettenmann (Petermann) aus Altstätten SG enthauptete in Anwesenheit von Regierungsrat Johann Ludwig Sulzberger und einer grossen Zuschauermenge Jakob Hungerbühler von Sommeri. Der 24-jährige Hungerbühler hatte am 30. Juni 1854 in der Käserei Sommeri den Senn Josef Anton Kessler und dessen Bruder Xaver mit einem Stein schwer verletzt und anschliessend etwa 700 Franken entwendet. Wenig später erlag Josef Anton Kessler seinen Kopfverletzungen. Am 15. September 1854 wurde Jakob Hungerbühler in Amriswil verhaftet und nach Frauenfeld geführt. Am 16. November 1854 fällte das Geschworenengericht das Todesurteil. Hungerbühlers Berufung wies das Kassationsgericht ab, und am 27. November 1854 verwarf der Grosse Rat sein Begnadigungsgesuch mit 58 zu 39 Stimmen.

Warum ist nicht nur die Zunge der Thurgauer Löwen rot?

Das Thurgauer Wappen geht auf die Grafen von Kyburg zurück, die zwei goldene Löwen auf schwarzem Grund, unterteilt durch einen goldenen Schrägbalken, in ihrem Schild führten. Mit dem Eintritt der Habsburger in das kyburgische Erbe 1264 wechselte die Grundfarbe zu Rot. Als 1460 die Eidgenossen die Herrschaft über den Thurgau gewannen, behielten sie das Wappen für die Gemeine Herrschaft bei (bis 1798). Nach der Zwischenphase der Helvetik (1798-1803) übernahm 1803 der selbständig gewordene Kanton die Löwen in sein neues Wappen. Jetzt fiel allerdings der Schrägbalken weg, und die als aristokratisch verpönte rote Farbe wurde durch die Farbe der Freiheit - grün - ersetzt (unterer Teil des Schilds). Indem man den oberen Löwen in ein weisses Feld setzte, wurden die heraldischen Regeln missachtet: Gold auf Silber ist nicht erlaubt. Spätere Versuche, den heraldischen Patzer zu korrigieren, scheiterten allerdings. Denn die Thurgauerinnen und Thurgauer hatten ihr seit 1803 geltendes Hoheitszeichen mittlerweile liebgewonnen und waren auf die Revolution (auch in der Heraldik) ein bisschen stolz. Details des Wappens sind übrigens nicht festgelegt - weder die rote Zunge noch die Zeichnung der Löwen. Und wenn die Geschlechtsteile seit einigen Jahren ebenfalls rot hervorgehoben sind, so nicht, weil solches biologischen Realitäten entspräche, sondern eher, weil es dem Zeitgeist nach 1968 zu entsprechen scheint.

Warum nennt man den Thurgau Mostindien?

Mit Mostindien wird in der Schweiz der Kanton Thurgau bezeichnet. Im Kanton selber ist mit Mostindien allerdings nur der Oberthurgau, vor allem der Bezirk Arbon, gemeint. Dass der Begriff auf den ausgedehnten Thurgauer Obstbau Bezug nimmt, versteht sich von selbst; alte Luftaufnahmen zeigen einen eigentlichen Obstwald. Schwieriger zu belegen ist das erstmalige Auftreten des Begriffs. Johann Adam Pupikofer, der dem Obstbau in seinem Buch „Der Kanton Thurgau“ (1837) ein umfangreiches Kapitel widmet und sich wohlinformiert zeigt, erwähnt ihn nicht. Das Schwäbische Worterbuchs aus dem Jahr 1904 bringt ihn. Damit sei der Kanton Thurgau bezeichnet, „aus dem in schlechten Obstjahren viel Mostobst importiert wird“. 1853 brachte die humoristische Wochenschrift Postheiri eine Karikatur zur schweizerischen Eisenbahnpolitik. Im Vordergrund sieht man die Universitätsstadt Zürich, im Hintergrund eine mit Most-India bezeichnete Birne. Die in der Literatur ohne Quellenbeleg erwähnte Behauptung, die Karikatur stamme von Martin Disteli, ist falsch, denn Disteli starb bereits 1844. Ob der Begriff auf die die Form des Thurgaus anspielt, die dem indischen Subkontinent gleicht, ist ebenfalls fraglich; wahrscheinlicher ist ein vom Wort Ostindien ausgehendes Wortspiel. Für das Jahr 1857 ist ein Mostbataillon belegt. Dabei handelt es sich um das im Oberthurgau rekrutierte Infanteriebataillon Nr. 7, aus dem später das Füsilierbataillon 75 hervorgehen sollte. Als sich der Kaiser von Hinter-Indien dem aus dem Thurgau stammenden Schweizer Bundespräsidenten Adolf Deucher vorstellte, soll Deucher erklärt haben: „Sie kommen aus Hinter-Indien, ich aus Most-Indien.“

Welches ist das älteste Dokument des Staatsarchivs?

Es datiert vom 7. Januar 1125 und stammt aus dem Archiv des Klosters Kreuzlingen (StATG 7’32’11, 1). Dabei handelt es sich um ein Diplom Kaiser Heinrichs IV. für das Kloster Kreuzlingen, worin er diesem das Recht bestätigt, das vom sel. Bischof Konrad von Konstanz erbaute und nun zerfallene Hospitium zu erneuern. Zu diesem Zweck schenkt er dem Kloster Güter und Einkünfte. Da die meisten Leute im Mittelalter nicht lesen konnten, war es wichtig, das Dokument feierlich und repräsentativ zu gestalten. Damit die Echtheit erkannt werden konnte, wurden immer wieder die selben Zeichen angewandt, so die Gitterschrift der ersten Zeile, das Signum des Notars, die kryptischen Zeichen in der Schlussformel und das Siegel. Dem Kaiser gebührte das grösste Siegel. Es bewies die Rechtsgültigkeit eines Dokumentes, das auf dauerhaftem Material wie Pergament geschrieben wurde und sorgfältig aufbewahrt werden musste. Urkunden stellen seit jeher ein besonderes Problem der Aufbewahrung dar. Die Thurgauer Urkunden bis 1400 sind alle im Thurgauischen Urkundenbuch gedruckt, so dass die Originale von der Forschung nur noch selten benutzt werden müssen.

Wie erfahre ich mehr über mein Haus?

Bevor Sie in den Brandassekuranz-Katastern im Staatsarchiv recherchieren, nutzen Sie die Vorarbeit, die andere bereits geleistet haben. In der Denkmaldatenbank finden Sie Informationen zu historischen Bauten.